Erholungsanlage St. Leoner See Erholungsanlage als kommunaler Eigenbetrieb
Digitale Infrastruktur für den Betrieb am St. Leoner See
Campingplatz, Badesee, Wassersportsee und Zufahrtsmanagement liegen auf einem weitläufigen Gelände, und alles davon braucht Netz. Jeden Sommer geht hier ein kleiner Ort in Betrieb.
- Betrieb
- Eigenbetrieb der Gemeinde St. Leon-Rot
- Standort
- St. Leon-Rot, Metropolregion Rhein-Neckar
- Verteilung
- 26 Verteilerknoten, 10 Gbit Glasfaser je Knoten
- Funkabdeckung
- rund 40 Access Points auf dem Gelände
Ein Betrieb, der zwischen November und Juli seine Größe vervielfacht
Der St. Leoner See ist das ganze Jahr über geöffnet, aber der Betrieb ist alles andere als gleichmäßig. Von Oktober bis April läuft der Platz mit kurzen Rezeptionszeiten und wenigen Gästen. In den Sommermonaten ist die Anlage von morgens um sieben bis abends um zehn besetzt, der Badebetrieb läuft bis in den Abend, der zweite Eingang ist zusätzlich geöffnet, und Stellplätze, Zeltwiesen und Mietunterkünfte sind gleichzeitig belegt. Technik, die im November unauffällig funktioniert, muss im Juli ein Vielfaches davon tragen.
Der Ausgangspunkt war ein Anschluss mit 6 Mbit im Download. Für einen Haushalt reicht das, für ein Gelände dieser Größe mit Verwaltung, Kassen, Zufahrtstechnik und Gästen ist es keine Grundlage. Alles, was danach kam, hing zuerst an dieser einen Leitung.
Die vorhandene Infrastruktur war über Jahre mitgewachsen, jeweils dort, wo gerade etwas gebraucht wurde. Mit der zunehmenden Nutzung reichten die bestehenden Kapazitäten nicht mehr aus. Das ist auf einem Freigelände ein anderes Problem als in einem Bürogebäude: Die Wege zwischen Rezeption, Sanitärgebäuden, Wasserskisee, Tauchereinstieg und Zeltwiese sind lang, es gibt keine Etagenverteiler und keinen zentralen Punkt, an dem ohnehin jede Leitung vorbeikommt.
Erschwerend kommt hinzu, dass das Netz nicht nur Gäste-WLAN transportiert. An ihm hängen auch Betriebsprozesse, das Zufahrts- und Schrankenmanagement sowie die Sicherheitstechnik. Fällt an einem Sommersamstag ein Verteiler aus, betrifft das deshalb nicht nur die Funkqualität auf der Liegewiese, sondern auch Abläufe, die darüber entscheiden, wie Gäste auf das Gelände kommen. Ziel war eine stabile, zentral verwaltbare und erweiterbare Infrastruktur, die genau diese Lastspitzen aushält.
Glasfaser in die Fläche, Verteilerknoten statt Einzellösungen
Reith-IT hat die Infrastruktur über mehrere Ausbaustufen neu aufgebaut, mit einem Glasfaser-Backbone als Grundlage. Glasfaser war auf diesem Gelände nicht die teure Kür, sondern die naheliegende Wahl: Sie überbrückt die Entfernungen zwischen den Bereichen ohne Zwischenverstärkung, sie ist unempfindlich gegen elektrische Störungen, und sie stellt keine durchgehende elektrische Verbindung zwischen weit auseinanderliegenden Gebäuden her.
Auf dem Backbone sitzen die Verteilerknoten, jeder mit eigenem Switch. Von dort geht es in die Fläche zu den Access Points, den Arbeitsplätzen und der Sicherheitstechnik. Diese Struktur hat zwei Vorteile: Ein neuer Bereich wird an den nächstgelegenen Knoten angeschlossen, statt eine Leitung quer über den Platz zu ziehen, und eine Störung bleibt dort, wo sie entstanden ist. Dazu kommt eine klare Segmentierung, also die logische Trennung des Netzes in getrennte Bereiche. Gästeverkehr, Betriebsprozesse und Sicherheitstechnik laufen über dieselben Leitungen, aber nicht im selben Segment, und sie sehen sich gegenseitig nicht.
Über das Netz hinaus betreut Reith-IT die komplette technische Betriebsumgebung am Standort: Rechner, Telefonie und Telefonanlagen, Kameras, Access Points, Switches, Server, die Proxmox-Umgebung und die Backup-Infrastruktur. Die Zufahrts- und Schrankenprozesse wurden in den Betriebsablauf integriert, Kameras an zentralen Punkten angebunden, ausdrücklich unter Berücksichtigung der datenschutzrelevanten Anforderungen. Monitoring und Backup gehörten von Anfang an dazu, weil ein Platz dieser Größe im Dauerbetrieb läuft und niemand jede Ecke täglich zu Fuß kontrollieren kann.
Zwei Punkte sind dabei leicht zu übersehen. Der erste ist das Gäste-WLAN: Es ist kostenlos und so ausgelegt, dass es zu Spitzenzeiten bis zu 3.000 Gäste gleichzeitig trägt, mit Bandbreitenregelung und getrennt vom Betriebsnetz. Der zweite ist der Serverraum. Was vorher ein aufgestellter Rechner war, ist heute ein 19-Zoll-System mit Proxmox, Proxmox Backup Server, einer Kopie außer Haus und einer unterbrechungsfreien Stromversorgung dahinter.
Der Saisonstart ist kein technisches Risiko mehr
Der St. Leoner See verfügt heute über eine IT-Basis, die den Gästeanspruch und die betrieblichen Anforderungen gleichzeitig trägt. Für den Betreiber heißt das vor allem: planbarer IT-Betrieb auch bei hoher Auslastung. Der Übergang von der ruhigen Wintersaison in den Vollbetrieb im Sommer ist damit eine Frage der Personalplanung, nicht der Technik. Und wenn ein Bereich erweitert oder verlegt wird, ist die Anbindung meist eine Konfigurationsaufgabe und kein Bauprojekt.
Der zweite Unterschied ist die Sichtbarkeit. Vorher zeigte sich eine Störung dort, wo jemand sie bemerkte, oft an der Rezeption und selten dort, wo die Ursache lag. Heute ist das Netz zentral einsehbar, ein ausgefallener Knoten meldet sich im Monitoring, und eine Störung lässt sich einem Abschnitt zuordnen, statt den ganzen Platz absuchen zu müssen. Das verkürzt die Zeit zwischen Auftreten und Eingreifen genau in den Wochen, in denen jede Stunde zählt.
Naherholung als kommunale Aufgabe
Die Erholungsanlage St. Leoner See wird als Eigenbetrieb der Gemeinde St. Leon-Rot im Rhein-Neckar-Kreis geführt. Ein Eigenbetrieb ist rechtlich Teil der Gemeinde, wirtschaftlich aber eigenständig geführt, mit eigenem Personal und eigener Rechnung. Die Anlage liegt an der Adresse Am St. Leoner See 1 und ist über die A5 bei Walldorf/Wiesloch sowie über zwei Buslinien erreichbar, mitten in der Metropolregion Rhein-Neckar.
Das Angebot reicht vom Campingplatz mit Stellplätzen, Zeltwiesen, Mietunterkünften und einem eigenen Hundecampingbereich bis zum Wassersportsee mit 16 Hektar Wasserfläche und Tiefen bis 24 Meter. Dort wird gesurft, gesegelt, Wasserski und Wakeboard gefahren, getaucht und geangelt, jeweils mit eigener Infrastruktur und eigenen Regeln. Am Badesee sichern während der Badezeit Mitarbeiter oder ein DLRG-Rettungsteam den Betrieb, die Wasserqualität wird regelmäßig geprüft und veröffentlicht. Dazu kommen Minigolf, Beachvolleyball, Basketball, Spielplätze, Gastronomie und ein kleiner Lebensmittelmarkt. Es ist damit weniger ein Badesee als ein kleiner Ort, der jeden Sommer in Betrieb geht.
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